Vergleich beim Laufen: Wie ich gelernt habe, mich nicht mit Läufer:innen zu vergleichen

Der Vergleich beim Laufen mit anderen Läufer:innen kann schnell zur eigenen Falle werden. 3 Tipps wie ich gelernt habe, mich nicht mit Läufer:innen zu vergleichen

Nele beim Laufen
Ich laufe für mich selbst – und du?

Laufliebe – Motivation und Selbstwahrnehmung


Wisst ihr, warum ich das Laufen so sehr liebe? Unter anderem ,weil ich es nur für mich mache. Mit mir selbst. Nicht gegen andere, sondern einfach des eigenen Willens wegen. Niemand geht in Konkurrenz miteinander, niemand verurteilt jemanden. Ich glaube, das Laufen ist eines der wenigsten Sportarten bei der es um Spaß und nicht um ein “ich will besser sein als XY” geht. Außer man betreibt den Laufsport professionell, da sollte man natürlich schneller sein, um auf das Treppchen zu gelangen. Aber ich spreche hier von Hobbyläufer:innen und Wettkampf-Begeisterten.


Und trotzdem ertappt man sich dabei, dass die Freundin/der Freund schneller läuft, weiter läuft, öfters läuft als man selbst. Dann fragt man sich, warum man das nicht auch kann. Ein Mithalten wäre ja gar nicht möglich. Das frustriert. Diese Laufgedanken hatte ich auch. Mittlerweile gibt es allerdings kaum etwas, was mir mehr egal ist auf dieser Welt. Ich laufe für mich. Und wenn in Konkurrenz, dann höchstens mit mir selbst.



Der Vergleich beim Laufen – sinnvoll oder demotivierend?


Obacht, jetzt wird es kurz philosophisch: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“,so der dänische Philosoph Søren Kierkegaard. Und ich wette, er hat bei diesen Worten auch an das Laufen gedacht …


Du läufst viel schneller als ich. Wenn ich mit dir laufe, dann ist das für dich doch langweilig.

Das ist ein Satz den ich öfters höre, wenn ich Leute frage, ob sie mit mir laufen gehen wollen. Und ich verstehe diese Aussage nicht. Es macht mich sogar ein wenig traurig weil ich merke, dass diese Person den Sinn und Zweck beim Laufen (zu zweit) nicht verstanden hat. Wir Läufer:innen machen uns nichts aus Geschwindigkeit oder Distanz, wenn wir mit jemandem laufen gehen wollen. Und noch mehr: Wir denken nicht einmal daran, ob wir mit einer anderen Person beim Laufen mithalten können. Aber ich gebe zu: Diese Einstellung muss man lernen.


Ein Vergleich beim Laufen kann dann sinnvoll sein, wenn man sich selbst neue Ziele setzen möchte und diese bei anderen Läufer:innen bemerkenswert und motivierend findet. Sobald man jedoch Vergleiche zu seinem eigenen Leid zieht und sich selbst dadurch als Läufer:in “schlechter” darstellt, dann sollte man ganz schnell einen anderen Gedanken ersuchen. Eine Motivation kann nämlich auch ganz schnell zur eigenen Demotivation werden.


Doch wie schafft man es, den Blick auf andere abzulegen und den Fokus auf sich selbst zu lenken? Einfach ist es gewiss nicht, vor allem durch die sozialen Medien und all dem Self-Motivation-Tipps, denen wir täglich ausgesetzt sind. Ich habe an dieser Stelle gewiss keine Zauberformel, aber kann euch meinen eigenen Weg erzählen – und ich bin davon überzeugt, dass der ein oder andere Tipp auch euch helfen kann.



3 Tipps, wie man sich weniger mit anderen beim Laufen vergleicht


Tipp 1


Der Begriff der “Selbstoptimierung” hat seinen Namen nicht umsonst bekommen. Es geht um dich selbst – nicht um andere. Auch nicht “im Vergleich” zu anderen. Wenn du beim Laufen schneller oder besser werden möchtest, dann nur deinetwegen. Auch wenn dieser Tipp absolut plausibel erscheint, ist er meistens schwer umzusetzen.

Ein Beispiel: Jemand ist heute 10 Kilometer gelaufen, du nicht. Anstatt dass du versuchst, auch zehn Kilometer zu laufen, laufe doch einfach mehr als bei der letzten Einheit. Oder du läufst genau so weit wie beim letzten Mal, nur eben ein paar Sekunden schneller. Das ist der erste Schritt, besser zu werden als du selbst.

Außerdem: Nur weil jemand anderes schneller oder besser ist als du: ändert dies etwas an deiner eigenen Leistung? Nein.


Tipp 2


Es wird immer, wirklich immer Läufer:innen geben, die besser sind als man selbst. Logisch. Aber es gibt auch genauso Läufer:innen, die am Anfang ihrer Lauferfahrung stehen und noch nicht die Schnelligkeit oder Distanz besitzen wie du. Und denen kannst du ein Vorbild sein. Was für dich “langsame 5 Kilometer” sind, sind für andere eine immense Motivation und ein Ziel, das sie auch erreichen wollen. Vergiss’ das nicht. Diese Erinnerung kann helfen, mit sich selbst nicht zu hart ins Gericht zu gehen.


Tipp 3


Ich habe die Vermutung, dass sich vor allem Lauf-Anfänger:innen oftmals unbewusst vergleichen und denken, sie seien nicht gut genug. Wisst ihr, was mir geholfen hat? Einer Lauf-Community beizutreten, wo man Marathonis bis hin zu genüsslichen Läufer:innen alles dabei ist. Schnell werdet ihr merken, dass dort nur eine Sache zählt: Das gemeinsame Laufen. Und damit auch jede:r abgeholt werden kann, gibt es in diesen Communities verschiedene Laufgruppen, die sich auf Pace und Distanz aufteilen. Warum? Weil es ums Laufen geht und niemand ausgeschlossen wird.



Vergleich mit anderen beim Laufen – das Fazit


Das Wichtigste: All das braucht Zeit. gebt euch Zeit. Mir fällt es mittlerweile wirklich nicht mehr schwer, die “Vergleich-Brille” abzunehmen und mein Ding zu machen. Mit einer Ausnahme: Natürlich vergleiche ich nach jedem offiziellen Laufwettkampf meine Zeit mit der von anderen – aber das dient eher der Selbstbestätigung, wie stolz ich auf mich sein kann!


Ich will nicht besser sein als andere. Ich will besser sein als ich selbst.” Meine einzige Konkurrenz bin ich selbst. Bei jedem Lauf. Nur ich bin dafür verantwortlich, was ich aus meine Läufen herausholen möchte und herausholen will.

Manchmal hilft es einfach sich hinzusetzen und sich selbst die Frage zu stellen “Was will ICH eigentlich mit dem Laufen erreichen?”. Für manche ist das Laufen ein Ausgleich zum Alltag, für andere ein Mittel zum Zweck und für wiederum andere die ganz große Chance.

Und für all das ist niemand anderes verantwortlich. Nur du selbst. Und das ist doch auch ganz gut so, nicht wahr?