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Ich vermisse das Laufen nicht – was ist los mit mir?

Müssen wir Läufer:innen das Laufen vermissen, wenn wir gerade – aus welchen Gründen auch immer – nicht laufen gehen können? Die Frage stelle ich mir auch gerade. Und meine Antwort gefällt mir nicht.


Mockup von Nele beim Laufen mit einem Pop-up als Hinweis, dass jetzt eine Laufpause ansteht
Was tun, wenn man das Laufen nicht mehr vermisst?

Epilog

Manchmal denke ich, es ist Kapitulation. Ich kapituliere. Dann kommen jedoch Zweifel. Fühlt sich so vielleicht Akzeptanz an? Oder ist es einfach Hilflosigkeit? Dann fange ich an zu weinen. Wer weint, der akzeptiert doch nicht – oder doch? Während ich diese Zeilen schreibe fühle ich mich so hilflos, ohnmächtig, alleine. Und manchmal weiß ich nicht, wohin mich all diese Gefühle begleiten möchten.



Laufpause – wie gehe ich damit um?



Wer nicht laufen kann, dem fällt spätestens nach 2-3 Tagen die Decke auf den Kopf. Die Beine kribbeln, das Herz schlägt schneller und ganz plötzlich ist so viel Laufmotivation vorhanden. “

Leider” lassen uns die RUNNERFEELINGS nicht alleine, nur weil sie gerade nicht zum Einsatz kommen können. Für den oder die eine:n, mag das etwas Positives sein. Für andere wiederum, ist dieses Gefühl kaum erträglich, weil es uns an das erinnert, was gerade nun wirklich nicht geht: das Laufen. 


Viele von euch kennen meine Laufgeschichten, meine Verletzungen und damit einhergehend Laufpausen, die 2022 in mein Leben getreten sind.

Und wenn ich so zurückblicke, dann habe ich das Laufen jedesmal schmerzlich vermisst. Leider (oder gottseidank?) waren all die Verletzungen nicht von der Art, die wieder 100% verheilt sind. Ganz im Gegenteil. Ich musste neu Laufen lernen. Eine neue Wohlfühl-Pace entwickeln. Neue Ziele definieren, die am Ende keine Ziele waren. Doch vor allem musste ich mutig sein. Ich wollte mutig sein. Warum? Weil ich nicht ohne das Laufen wollte. 




Das Laufen nicht vermissen – die Gründe


Es hat gedauert, bis ich all die neuen Umstände akzeptiert und lieben gelernt habe. Und es war okay. Es hat mich nachsichtiger gemacht. Ich wollte Verletzungen oder erneute Laufpausen unbedingt vermeiden.


Doch ehe ich mich versah, folgt die Nächste – doch das Letzte an das ich denke ist die Frage: Wann kann ich wieder laufen gehen? 


Ich vermisse das Laufen nicht. Und ich frage mich, warum. Dabei kenne ich die Antworten ganz genau.


Zunächst ist meine Diagnose noch ungewiss. Das, was das MRT zeigte, war nur die Spitze des Eisberges und ist ehrlicherweise mein kleinstes Problem. Wir zählen 5 Wochen. Mittlerweile kann ich wieder ohne Krücken gehen. Zumindest ein wenig.

Zweitens: Ich habe jetzt zwei kaputte Füße. Beziehungsweise, keiner funktioniert mehr 100 Prozent. Ich habe 1 Jahr gebraucht, mit einem, nicht mehr richtig funktionierenden Fuß wieder laufen zu lernen, mich zu trauen, angstfrei zu sein. Wie sollte ich das jemals mit zwei kaputten Füßen schaffen? Ich bin ehrlich: Aktuell will ich das nicht mal mehr versuchen.

Und dann wäre da noch drittens: Ich möchte erstmal wieder spazieren gehen können. Treppen gehen. Ohne Schmerzen aufwachen. Das Laufen ist für mich in so weiter Ferne, nichtmal mit einem Fernglas würde ich es sehen. Egal, wie scharf ich es einstelle: ich sehe nichtmal einen Umriss. 


Manchmal denke ich, es ist Kapitulation. Ich kapituliere. Dann kommen jedoch Zweifel. Fühlt sich so vielleicht Akzeptanz an? Oder ist es einfach Hilflosigkeit? Dann fange ich an zu weinen. Wer weint, der akzeptiert doch nicht – oder doch? Während ich diese Zeilen schreibe fühle ich mich so hilflos, ohnmächtig, alleine. Und manchmal weiß ich nicht, wohin mich all diese Gefühle begleiten möchten.


Alte Laufzeiten, neue Wunden


Wenn ich durch die unzähligen Lauffotos meiner Bildergalerie auf meinem Handy scrolle, dann weine ich. Ich weiß nicht, ob all das wiederkommt. Ich weiß aber auch nicht, ob ich all das nochmal will. Aktuell weiß ich gar nichts. Und ich kann mir nichtmal mehr den Kopf darüber zubrechen. Weil die Angst ganz woanders sitzt. Sie hat es sich in der Ungewissheit bequem gemacht und schnürt mir Tag für Tag den Hals zu. Ich bin damit beschäftigt, mich aus dieser Schlinge zu befreien. 


Deshalb vermisse ich das Laufen nicht. Manchmal ist zu viel los, als dass wir das für uns Wichtigste vermissen können. Wir sind abgelenkt. Abgelenkt von den Dingen, die die anderen 22 Stunden passieren, die unsere Nächte schlaflos machen und uns hilflos zurücklassen. Händeringend suchen wir nach der Kontrolle, die wir in die Hände der Ungewissheit abgeben mussten. Doch da ist keine Hand. 


Tja. Dieser Beitrag ist anders. Es sind Laufgedanken, die per se keine sind. Laufen findet in meinen Gedanken aktuell nicht statt. Oder doch? Vielleicht ein bisschen. Schließlich habe ich gerade über etwas geschrieben, was ich nicht vermisse. Vielleicht ein bisschen. 


Stay safe!

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