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  • Nele Doerk

Wettkampf absagen – warum dieser Schritt meine beste Entscheidung war

Aktualisiert: 28. Okt 2018

Manchmal kann man einfach nicht, auch wenn man noch so sehr will. Meine Nicht-Teilnahme am Generali München Marathon 2018


Epilog

Ich bin heute morgen mit dem festen Willen aufgewacht, mich für den #münchenmarathon nachzumelden. Seit knapp 3 Wochen muss ich eine Laufpause einlegen, aber wenigstens die 10km sollten es werden. Ich stand im letzten Jahr am Streckenrand und dachte mir „Nele, nächstes Jahr bist du dabei!“ – Nein, ich war nicht dabei... Ich habe heute womöglich eine der vernünftigsten, aber auch schwersten Entscheidungen in meinem Leben getroffen. Ich bin einfach noch nicht fit, mein Körper gibt mir deutliche Signale. Das erste Mal ignoriere ich diese nicht und habe gelernt, dass es genauso viel Mut kostet einen Wettkampf nicht anzutreten, wie einen zu absolvieren. Ersteres wahrscheinlich etwas mehr. Dass es sich hierbei um kein „Versagen“ handelt, musste ich wohl erst lernen. Doch damit bin ich gewachsen und fühle mich gerade stärker als zuvor.


Jeder Läufer muss wachsen – und gedeihen

Es gibt zwei Dinge im Leben, in denen ich unglaublich schlecht bin: Das eine ist Geduld, das andere ist, eigene Pläne über Bord werfen zu müssen. Letzteres musste ich beim Generali München Marathon 2018 nach langem hin und her doch letzten Endes machen.


Ich weiß noch, wie ich 2017 durch Zufall kurz am Streckenrand stand und mir dachte „Wahnsinn, da läufst du im nächsten Jahr auch mit!“. Und ich hatte Bock. ich wollte. Ich war bereit. Und ich konnte nicht. Vielmehr, mein Körper konnte nicht und es war das erste Mal, dass ich dieses Signal akzeptiert habe.


Ich bin garantiert nicht die Vorzeigeperson, wenn es um die Kombination „Vernunft und Sport“ geht. Ich laufe mit Erkältung wenn es irgendwie machbar isr, laufe mit Schmerzen im Fuß und lasse auch gerne mal die relevanten Ruhetage aus. Doch als ich während der Laufpausen merkte, dass ein Puls von 180 im lockeren 5km-Lauf garantiert nicht normal ist und ich noch immer ein Brennen in der Brust verspüre wusste ich „Nein, lass es, Nele“.


Ich war fest entschlossen, mich am Morgen wenigstens für den 10km-Lauf nachzumelden und hatte die Nachmelde-Gebühr in der Tasche. Sehen wir es mal so, ich habe 45 Euro gespart ;)



Sich gegen etwas entscheiden ist kein Versagen

Wenn mir eines an diesem wundervollen Morgen im Olympiapark München bewusst geworden ist, dann dass ich über mich hinausgewachsen bin. Wieso? Wenn man voller Leidenschaft steckt und für das Laufen brennt, dann erfordert es unglaublich viel Mut, Mindset und Willensstärke, auf den eigenen Körper zu hören und einen Lauf nicht anzutreten. Und nein, entgegen der Behauptung, dass viele Sportler bestimmt wissen, was sie tun möchte ich an dieser Stelle sagen – nein, wissen sie nicht immer.


Wer schon einmal in einer solchen Situation war der weiß, dass hier zwei ganz wesentliche Gedankengänge gegeneinander prallen. Das „Ich kenne am besten meinen Körper und werde schon aufhören, wenn er es mir sagt“ und das „ Irgendwie bin ich mir unsicher aber ich weiß, dass ich das packen kann“. Hier trifft die Quasi-Einsicht und das unbewusste Eingeständnis auf den starken Willen, der natürlich nicht gebrochen werden möchte. Willenskraft bedeutet Erfolg, ein schwacher Wille hingegen Misserfolg. Das mag manchmal vielleicht so sein, aber Willenskraft bedeutet auch die Einsicht, dass Erfolg warten kann und darf, vielleicht sogar muss. Und diese Art von Willenskraft ist in meinen Augen viel stärker und größer als man zunächst annimmt. Es braucht dann zwei, drei, manchmal auch vier Anläufe, bis man das erkennt. Ich habe es erkannt und ich bin unglaublich stolz auf mich.


Und wie sagt man so schön:

Auch im Alphabet kommt Anstrengung vor Erfolg. Einsicht aber auch.

Support ist das Geben, wenn man sonst nimmt

Ich habe mich jubelnd, aufgeregt, klatschend und weinend am Streckenrand wiedergefunden und alles gegeben, was ich sonst während meiner Läufe bekomme. Die vielen lächelnden und dankbaren Gesichter haben mir gezeigt, dass es manchmal um genau das geht – um Dankbarkeit und Freude, egal ob man auf der Laufstrecke oder am Streckenrand alles gibt.