• Nele Doerk

Zwischen Verzweiflung, Ehrgeiz und Höhenflügen: So war mein Laufjahr 2018

2018 war mein Laufjahr schlechthin – was ich beim Laufen erlebt und gelernt habe, und warum die letzten Monate die Schlimmsten waren

Mein Laufjahr 2018 war gefühlsmäßig so, wie dieses Bild

Laufen: Ein Rückblick

Das Jahr 2018 hat mich in Sachen Laufen unglaublich viel gelehrt, auf gesundheitlicher sowie auf mentaler Ebene. Viele Lektionen, positive sowie negative Erfahrungen und eine Menge Disziplin und Ehrgeiz haben mich durch mein „Laufjahr“ getragen. In der Summe betrachtet war alles gut, so wie es letztendlich lief.


Meine schönsten Lauferfolge 2018

Abgesehen von den wundervollen Menschen, auf die ich während meiner Läufe getroffen bin, waren vor allem die Wettkämpfe spektakulär: Mein erster Halbmarathon in München lief schon beinahe zu perfekt für mich, der Seawheeze-Halbmarathon in Vancouver setzte dem Ganzen die Krone auf. In meiner Heimatstadt bin ich beim 10-Kilometerlauf völlig unerwartet eine neue Bestzeit gelaufen, ganze vier Minuten schneller als beim letzten Mal. 

Der Wings for live World Run hat mir gezeigt, wie wichtig unser Mindset und unsere Einstellung beim Laufen ist – nach 16 Kilometern wurde ich vom Catcher-Car eingeholt und habe mit meiner Teilnahme nicht nur Gutes für andere Menschen, sondern auch für mich getan. Dieses Erlebnis möchte ich auch 2019 um keinen Preis vermissen!


Was jedoch weitaus entscheidender war als jeder Wettkampf, waren die Trainingseinheiten dazwischen – denn diese machen eine erfolgreiche Teilnahme am Wettkampf rst emöglich. Gerne denke ich an die Dauerläufe an der Isar zurück, oder an meinen 10 Kilometerlauf im Central Park in New York. Weniger gerne erinnere ich mich an die Intervallläufe, die mir jedoch bewiesen haben: "Nele, ALLES ist möglich, wenn du dir den Popo aufreißt." Und nun sitze ich hier, mit (aktuell) 1.505 gelaufenen Kilometern auf dem Tacho. Nicht ganz mein Wunschziel, aber das muss ich nun akzeptieren.

Mein Lauf durch den Central Park in New York

Deprimierend und frustrierend: Das Ende meines Laufjahres 2018

Die letzten drei Monate waren für mich auf sportlicher Ebene gesehen die allerschwersten: Ich musste einige Laufpausen einlegen, hatte mit starken Muskelzerrungen zu kämpfen, Knöchelproblemen, Schienbeinschmerzen und auch Erkältungen, die mich komplett aus der Bahn geworfen haben.

Das Fazit: Ich wurde nicht wieder 100-prozentig fit, meine Herzfrequenz war ständig viel höher als im Normalfall, meine Beine sackten nach 12 Kilometern zusammen und ich war sehr oft aus der Puste. Wenn ich mir all das noch einmal vor Augen führe, dann wundert es mich nicht: Ich war bereit, mein Körper leider (noch) nicht. Auf der einen Seite habe ich das eingesehen und verstanden, auf der anderen Seite war ich unglaublich wütend, traurig und frustriert – und eben dieser Frust hat mich weiter angetrieben. Wie es sich mehrmals herausgestellt hat, war diese Art von Motivation nicht immer richtig.


Es ist unglaublich schwierig, wenn man nach einem Höhenflug auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird.

Ich wollte auf diesen Boden nicht mehr zurück, aber mein Körper hatte das Verlangen, wieder Sicherheit unter den Füßen zu spüren. Da fragt man sich ernsthaft, was letztendlich all der Wille und Ehrgeiz bringen, wenn der Körper streikt.



Resumé

In dieser Zeit habe ich viel an mir gezweifelt, meine körperliche Leistung in Frage gestellt und die ein oder andere Träne vergossen. Aber ich habe aus dieser Zeit ebenso gelernt, wie sehr andere Dinge im Leben die sportliche Leistung beeinflussen: Stress, die alltägliche Arbeit und kleinere Lappalien sollte man niemals unterschätzen – das weiß ich jetzt.


Ebenso habe ich gelernt, wie gut eine Laufpause sein kann, wenn man sich wieder die Laufschuhe anzieht. Der eigene Körper strotzt nur so vor Lust und Energie. Da ist es ganz egal, ob man fünf oder zehn Kilometer läuft, ich fühlte mich wie neugeboren.

Außerdem bin ich dankbar für das Wissen, dass die körperliche Fitness wieder zurückkommt, man sehr viel Geduld mitbringen sollte. Ich bin wirklich alles andere als geduldig, weshalb diese Lektion die Schwerste von allen war. Aber wieso sollte der Körper etwas „verlernen“, was er bereits erfolgreich unter Beweis gestellt hat? Eben.

Was ich mit in das neue Jahr nehmen möchte? Mehr Läufe zu zweit oder in Laufgruppen, ein eigenes Projekt, mehr Achtsamkeit und mehr Wettkämpfe – ich habe nämlich extra viel Luft nach oben gelassen. ;)




Foto: @lynn_lea

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