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  • Nele Doerk

Halbmarathon in Vancouver – wie ich mit 9 Stunden Zeitunterschied die 21,1 km gelaufen bin

Aktualisiert: 21. Jan 2019

Der Seawheeze Halbmarathon in Vancouver war mein Highlight 2018 – dabei ging es um so viel mehr, als um die 21,1 Kilometer

Seawheeze in Vancouver

Der Seawheeze Halbmarathon in Vancouver war die unglaublichste Erfahrung meines Lebens – und das aus psychischer, körperlicher und emotionaler Sicht. Dass ich mit dem Gedanken spielen musste, nicht an den Start gehen zu können, wusste ich vor meiner Abreise allerdings noch nicht…


Am 22. September 2018 war es soweit. Wenn ich heute an diesen Tag zurückdenke, dann weiß ich gar nicht wohin mit meinen ganzen Emotionen. Im Endeffekt ging es um so viel mehr als um die Zeitdifferenz von neun Stunden, die Aufregung vor dem Unbekannten oder um die 21,1 Kilometer. Es ging um eine wichtige Erkenntnis.


Meine Vorbereitung für die 21,1 km in Vancouver

Ich hatte ungefähr drei Monate Zeit, mich auf den Halbmarathon in Kanada vorzubereiten. Ich war fit und gut trainiert, von daher habe ich mir keine Sorgen gemacht. Mein Lauftraining bestand aus Longruns am Wochenende und aus Intervallläufen in der Woche. Außerdem wollte ich die Halbmarathondistanz ungefähr 2-3 Wochen vor dem Start nochmal im Training zu laufen – dazu kam es allerdings nicht.


Zwei Wochen vor dem Halbmarathon fing meine Innenseite des rechten Schienbeins stark an zu schmerzen. Nicht nur beim Laufen, auch beim Gehen machte sich dieser stechende Schmerz bemerkbar. Bereits bei sehr kurzen Läufen von 5-7 Kilometern machte sich das unangenehme Gefühl bemerkbar. Aus diesem Grund entschied ich mich dazu, mein Trainingspensum stark zu minimieren. Für Vancouver wollte ich total fit sein.

"Lieber jetzt schonen und später abliefern", so war meine Devise. Leider ging der Plan nicht ganz auf.


Letzte Chance: Der Shake Out Run

Zwei Tage vor dem Halbmarathon gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf: „Wie soll ich nur an den Start gehen?“, „Ich werde niemals unter zwei Stunden finishen, shame on me!“, oder „Ich kann doch nicht aufgeben, obwohl es vernünftig wäre?!“ – In mir ging es auf und ab und ich wusste gar nicht, wie ich wieder Herr meiner Sinne werden sollte. Für mich gab es deshalb nur eine Option, eine einzige Sicherheit: Ich werde den Shake Out Run einen Tag vor dem Halbmarathon mitlaufen – ich musste es einfach nochmal probieren, bevor ich einen Kaltstart hinlege. Schließlich bin ich seit einer Woche nicht laufen gewesen.

Als der lockere 5-Kilometerlauf anstand, hatte ich wirklich Angst. Ich wusste, wenn es jetzt schmerzt, dann kann ich es vergessen! Ein sicheres und besseres Gefühl gaben mir meine Kompressionsstrümpfe, zusätzlich hatte ich vorher ein Schmerzmedikament genommen. Und sieh an, es hatte geklappt. Die Schmerzen waren sehr minimal, es war machbar zu laufen. Mit diesem Gedanken ging ich ins Bett. Völlig aufgeregt auf der einen, völlig entspannt auf der anderen Seite. Ich habe überraschenderweise gut geschlafen trotz des Zeitunterschiedes, der mir so viel Angst bereitete, und der Nervosität vor dem Lauf. Am nächsten Tag war die Aufregung unerwartet weg, sodass es sich beinahe schon ein wenig suspekt anfühlte.

Hauptsache farbenfroh war meine Devise

Oh Canada – meine Hymne ins Ziel

Ja, ich bin gelaufen. Mit Schmerztabletten. Mit Kompressionsstrümpfen. Die ganzen 21,1 Kilometer. Im strömenden Regen. Auf nasser Straße und jederzeit mit der Angst, dass ich meinen Fuß falsch aufsetze. Ein falscher Schritt mit meinem kaputten Schienbein und aus die Maus. Gott, was war das schön!


Die 21,1 Kilometer habe ich in 2:04:58 Stunden gefinisht. Ich dachte ehrlicherweise, dass ich noch viel viel langsamer gelaufen bin. In Anbetracht der Umstände – damit meine ich meine Verletzung, die unbekannte Laufstrecke, der Regen, die rutschige Straße, die Aufregung, der Jetlag – bin ich mehr als zufrieden. Völlig paralysiert bin ich ins Ziel gelaufen und habe erstmal geweint. Und ganz fest meine Medaille festgehalten. Voller Stolz. Ich hatte es geschafft.


Seawheeze Halbmarathon – das Ende einer unglaublichen Reise

Wäre der Halbmarathon irgendein beliebiger Lauf in Deutschland gewesen, hätte ich mich höchstwahrscheinlich gegen die Teilnahme entschieden. Dass meine Entscheidung, dennoch an den Start zu gehen, keine kluge und weise Wahl war, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Aber ich wollte! Unbedingt! Und wenn ich die 21,1 Kilometer gegangen wäre – ich musste das Startsignal wahrnehmen, die Aufregung, das unglaubliche Gefühl im Herzen spüren, wenn ich an der Startlinie stehe. Vielleicht war es nicht die vernünftigste Entscheidung in meinem Leben, aber auch solche Entscheidungen gehören dazu.

Wieder einmal wurde mir bewusst, dass Schmerzen im Kopf beginnen und auch ebenso der Wille, dennoch alles geben zu wollen. Nagut, vielleicht habe ich nicht alles gegeben, aber zumindest das in diesem Moment Mögliche. Für mich war das genug!


Tipps gegen Aufregung vor einem Wettkampf

Ich hatte nicht nur mit meinem Schienbein zu kämpfen, sondern auch mit der Aufregung vor dem Unbekannten sowie mit der Zeitdifferenz von ganzen 9 (!) Stunden. Ich erleide nämlich schon bei der Zeitumstellung zur Sommerzeit einen Mini-Jetlag. Hier und dort habe ich mir deshalb nicht nur Tipps gegen Aufregung vor einem Lauf geholt, sondern auch für das Zurechtkommen mit der Zeitdifferenz.


  1. Wer an einem Lauf in einem anderen Land teilnimmt, sollte stets die Erfahrung und die Gelegenheit über die Bestzeit stellen. Das nimmt den Erfolgsdruck und macht das Erlebnis so viel schöner.

  2. Ein Halbmarathon ist eine körperliche Herausforderung, ein enormer Zeitunterschied ist nicht zu unterschätzen. Es gilt deshalb, den Körper einen Tag vorher auszuruhen. Kontraproduktiv: Viel umherlaufen, das mindert vielleicht die Aufregung, aber sorgt natürlich nicht für Ruhe.

  3. Stelle dir die Frage, was bei dir totale Entspannung auslöst – vielleicht ist es ein Glas Wein (ist in dieser Situation erlaubt!), ein gutes Buch oder ein Spaziergang. In meinem Fall war es Netflix & Chill.

Fakt ist: Es gibt kein Geheimrezept gegen Aufregung oder andere Dinge, da jeder Mensch anders damit umgeht. Ich denke jedoch, dass ein Halbmarathon in einem anderen Land eine ganz andere Hausnummer ist und für den Körper doppelten Stress bedeutet. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass man den Spaß als Priorität sieht – denn letztendlich wird jeder von uns am Ende des Wettkampfs ein stolzer Läufer sein.




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