• Nele Doerk

Der Glaube an Wunder – Warum auch beim Laufen Wunder geschehen

Darf man auch beim Laufen an Wunder glauben? Wie ist das Verhältnis von Lauftraining, Mindset und Wunder? Ein Essay über „Wunderläufe“

Wunderläufe – gibt es das?

Ich bin absolut der Überzeugung, dass man nur durch eine Menge Training viel erreichen kann. Wer nicht genug Intervalle ausübt, der wird auch nicht schneller. Wer nicht lernt, auf lange Distanz zu laufen, wird auch keinen Marathon schaffen. Nichtsdestotrotz gibt es beim Laufen noch weitaus mehr, was zählt – das Mindset zum Beispiel. Die psychische Gesundheit. Die Anatomie des Körpers (denken wir nur mal an die Kenianer). Die Tageszeit (Morgenläufer vs. Abendläufer). Der Ist-Zustand der körperlichen Fitness.

Abgesehen von den anatomischen Bedingungen können wir alles andere auf irgendeine Art und Weise beeinflussen. Wir können uns Ruhephasen gönnen, wenn uns danach ist, können uns antrainieren, lieber morgens anstatt abends laufen zu gehen, und wir können an unserem Mindset arbeiten.

Doch gibt es noch etwas zwischen all diesen Dingen? Etwas, das wir nicht beeinflussen können? Ich denke ja: Der Glaube an Wunder. Und dass wir diesen Gedanken beim Laufen zulassen, ist äußerst wichtig.


Was sind Wunder eigentlich?

Auch beim Laufen können Wunder geschehen. Hiermit meine ich nicht den Glauben an etwas Übernatürliches, sondern ich meine vielmehr eine Art Hoffnung an etwas, was man per se gar nicht wahrnimmt – man bemerkt es erst, wenn es eintritt. Das ist auch der Grund, weshalb uns beim Laufen eigentlich gar nichts fehlt. Denn was man nicht kennt, kann man nicht vermissen.

Wenn ich also nun von „Wunder“ rede, dann spreche ich nicht von einer Einstellung, mit der man das Mindset kontrollieren kann. Ich rede auch nicht von einem Gedanken wie „Dass ich die 15 Kilometer schaffe, habe ich für unmöglich gehalten.“ Wunder widersprechen aller Erfahrung und sorgen am Ende des Laufes für einen Moment der Sprachlosigkeit. Für einen „Ich-kann-das-gar-nicht-glauben-Moment“ und wir versuchen zu begreifen, wie wir das geschafft haben.


Wieso soll ich beim Laufen an Wunder glauben?

Die Frage lautet eher: Wieso solltest du nicht?

Indem wir zulassen, dass Wunder auch beim Laufen möglich sind, erschaffen wir uns einen Raum voller Möglichkeiten: Das Unmögliche gibt es fast gar nicht mehr. Wenn, dann finden wir dieses in unseren Gedanken wieder. Mit dem Mindset können wir lediglich lernen, diese Unmöglichkeit auf ein Minimum zu beschränken. Und wenn wir mal ganz ehrlich zu uns selbst sind: Tut es nicht in jeder Lebenssituation gut, an Wunder zu glauben? Wir müssen wie bereits erwähnt nicht von übernatürlichen Kräften oder Gottheiten reden (daran glaube ich übrigens auch nicht), aber wir können Wunder auf uns selbst projizieren: Dass WIR, du und ich in der Lage sind, Wunder zu erschaffen – auch beim Laufen. Das klingt auf irgendeine Art und Weise doch auch sehr beruhigend, nicht wahr?


Mein persönliches Laufwunder

Klar, mit viel Training und mit viel Köpfchen können wir alles leisten, was wir möchten. Wir können physische Schmerzen bei einem Wettkampf ausblenden und dank unserer Trainingsvorbereitungen erschöpft aber glücklich ins Ziel laufen – so erging es mir beim Halbmarathon in Vancouver. Dieser Wettkampf hätte aber auch anders laufen können. Ich habe die 21,1 Kilometer von der Distanz locker geschafft, den Schmerz in meinem Schienbein konnte ich ausblenden. Dass ich es dennoch glücklich ins Ziel geschafft habe (und das zeitlich weit besser als in meinen Vorstellungen!), hat mit dem zuvor genannten nicht mehr sehr viel zutun. Deshalb war dieser Moment für mich ein kleines Wunder.

Warum ich euch das jetzt alles erzählt habe? Weil ich möchte, dass ihr euch euren eigenen Raum voller Möglichkeiten erschafft.

Ich bin davon überzeugt, dass meine eigene Willenskraft, die Disziplin, mein Training und viel Motivation, mich ein ganz großes Stück nach vorne bringen. Dass sind die Dinge, die wir kennen, mit denen wir arbeiten und die uns „genügen“.


Aber Wunder lernen wir erst im Nachhinein kennen, ohne uns an diesen zu orientieren – geben wir ihnen einen Raum.

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